German Open fest in Deutscher Hand

 

Im nordhessischen Korbach fand in diesem Jahr ein seit 2004 ausgetragenes ungewöhnliches Kräftemessen statt.

In der Damespielart Checkers messen sich bei den German Open die besten Deutschen Spieler mit ausländischen Spitzenspielern, und obwohl in der Vergangenheit die Vorkämpfer Dennis Pawlek und Ingo Zachos nicht unversucht ließen, konnten jedes Jahr die Spieler aus Großbritannien oder Irland den Turniersieg erringen.

Aber in diesem Jahr war vieles anders als vorher.

Schon im März hatte es, ebenfalls in Korbach, eine Deutsche Meisterschaft gegeben , bei der, wie in den meisten Ländern üblich, die Eröffnungen ausgelost wurden.

Der Sieger dieses Turniers, Igor Martynov aus Düsseldorf und der Zweite, das 15 jährige Korbacher Talent Maximilian Frese, trafen nun zusammen mit den beiden bestplatzierten Deutschen der German Open 2007, Ingo Zachos aus Dortmund und Thomas Wien aus Wesel, sowie dem aus Hamburg angereisten deutschen Vizemeister von 2005, Olaf Matschat auf die schottischen Nationalspieler Donald Oliphant, der das Open 2004 und 2005 gewonnen hatte, und der bei English Open 2005 den dritten Platz belegt hatte, und seinen Landsmann Bernard Coll, der 2006 und 2007 noch bei den German Open hinter dem irischen Internationalen Meister Liam Stephens den zweiten Platz belegt hatte.

Auch Stephens war angereist, wegen einer plötzlichen Erkrankung musste er jedoch noch am ersten Turniertag seine Teilnahme zurückziehen.

 

Bereits in der ersten Runde des Turniers zeigte der jüngste Teilnehmer des Turniers, der 10jährige Armin Krane aus Korbach, das dieses Jahr die Trauben für die Gäste deutlich höher hingen:

Erst durch einen Endspielfehler von Armin in besserer Stellung konnte ihn Oliphant schließlich doch noch überlisten, und damit wie erwartet beide Partien gewinnen.

Eine weitere Überraschung in der ersten Runde war der Sieg von Thomas Wien gegen Igor Martynov aus verdächtiger Stellung mit  Hilfe einer weit vorausgeplanten Falle.

Da er schon die erste Partie gegen den Favoriten Remis gehalten hatte, fand sich dieser nun erst einmal am Tabellenende wieder.

Auch in der zweiten Runde kam es zu Favoritenstürzen:

Eygeniy Rymar aus Korbach nutze eine Unachtsamkeit seines Gegners Zachos zu einer Kombination, die diesem zur sofortigen Aufgabe zwang.

Allerdings gelang es Zachos, in der zweiten Partie die fehlenden Eröffnungskenntnisse seines Gegners auszunutzen, und sich mit einem Sieg wieder ins Geschäft zu bringen.

Noch lief es für die schottischen Favoriten gut, denn am Spitzenbrett spielten sie zwei routinierte Remis.

In der dritten Runde aber kam die Wende, denn Thomas Wien besiegte Oliphant mit einem taktischen Konter, als dieser sich schon als Sieger wähnte, und Zachos überspielte Coll in deren zweiter Partie, nachdem er die erste routiniert Remis gehalten hatte.

Martynov besiegte in dieser Runde nach hartem Kampf Rymar zweimal im Endspiel und schloss damit zur Spitze auf.

Auch Matschat, der nach drei Jahren Turnierpause ein Comeback versuchte, gelang es, sich mit zwei Siegen nach vorne zu spielen.

In der letzten Runde am ersten Tag waren die Spitzenbretter damit in deutscher Hand.

Zachos musste gegen Martynov am Brett eins spielen, und Matschat gegen Wien an Brett zwei.

Den Gästen blieben nur die Bretter drei und vier, und selbst dort bekamen sie Probleme, denn nur mit viel Endspielroutine gelang es Oliphant, die erste Partie noch Remis zu halten. Auch Rymar konnte Coll ein Remis abringen, musste aber in der anderen Partie seinem erfahrenen Gegner noch zum Sieg gratulieren.

Während Thomas Wien den Siegeslauf von Matschat in zwei Kurzpartien mit schnellen taktischen Schlägen stoppte, und sich damit allein an die Spitze setze, fanden zwischen Zachos und Martynov zwei lange und hart umkämpfte Partien statt, die sich als Schlüsselpartien für den Turniersieg herausstellen sollten.

In der ersten Partie, die besonders offen ausgetragen wurde, und die sich lange sehr kompliziert gestaltete, sorgte die Zeitnot für die Entscheidung, und Martynov erwies sich als der Glücklichere.

In der zweiten Partie versuchte Zachos alles, den verlorenen Punkt wettzumachen. Schon kurz nach der Eröffnung opferte er einen Bauern, um dann mit einer lang vorausgeplanten Kombination dem Gegner eine Dame zu erlauben, und sogar zwei Mehrbauern zu überlassen, aber er erzwang die Rückgabe der Dame unter dreifachem Bauerngewinn, so dass es in ein materiell gleiches Endspiel ging, in dem Martynov schlechter stand.

Mit zäher Verteidigung gelang es ihm jedoch, ein Unentschieden zu halten, und damit den zweiten Platz in der Tabelle nach dem ersten Tag zu erringen.

Der Zwischenstand deutet schon an, das es 2008wohl gelingen könnte, einen deutschen Gesamtsieg zu erringen, die Frage war nur, wem das gelingen sollte.

 

Zwischenstand nach dem ersten Tag:

  1. Thomas Wien (Wesel), 13 Punkte
  2. Igor Martynov (Düsseldorf) 12 Punkte
  3. Ingo Zachos (Dortmund) 10 Punkte
  4. Maximilian Frese (Korbach) 10 Punkte
  5. Bernard Coll (Schottland) 10 Punkte
  6. Donald Oliphant (Schottland) 9 Punkte
  7. Olaf Matschat (Hamburg) 8 Punkte,
  8. Benjamin Krane (Korbach) 8 Punkte,
  9. Eygeniy Rymar (Korbach) 7 Punkte
  10. Danuta Zioltkowski (Korbach) 5 Punkte
  11. Armin Krane (Korbach) 4 Punkte

 

Der Sonntag musste die Entscheidung bringen, und um 9 Uhr lauteten die Spitzenpaarungen:

Brett 1 Wien gegen Zachos

Brett 2 Coll gegen Martynov

 

Igor Martynov hatte sich offenbar viel vorgenommen, denn er räumte mit zwei souveränen Siegen gegen Coll auch die letzten Zweifel daran aus dem Weg, das der Turniersieg 2008 an einen Deutschen geht.

Zachos gelang in der ersten Partie gegen Wien sein Meisterstück, denn ein unmerklicher Abtauschfehler des Spitzenreiters nutze er elegant dazu, diesen in Zugzwang zu bringen.

Zwar wehrte sich Wien nach Kräften, den verlorenen Bauern zurückzubekommen, aber Zachos wickelte elegant das Endspiel in einen leichten Gewinn ab.

In der zweiten Partie geriet Wien zudem in eine als verdächtig bekannte Eröffnung, und alle Findigkeit, und selbst zwei Damen halfen nicht mehr, denn beide wurden am Rand des Brettes festgehalten und Zachos gelang es durch diesen Sieg sogar, sich an Wien vorbei auf den zweiten Platz zu schieben, aber sein Rückstand von zwei Punkten auf Martynov bleib bestehen.

Durch seinen Sieg über Matschat pirschte sich unterdessen Frese in Schlagdistanz zur Spitze, aber ein konzentrierter Martynov sicherte sich in beiden Partien zwei vorteilhafte Endspiele, die er sicher und bestimmt zu Siegen führte.

Gegen Oliphant musste Zachos nun ebenfalls zweimal gewinnen, um Martynov noch zu gefährden.

Tatsächlich gelang es ihm, in der ersten Partie ein besseres Endspiel zu erreichen, aber sein Gegner reklamierte kurz vor Ablauf der Zeit, das  die Stellung wohl doch noch Remis sei, und weil er nicht auf Zeit gewinnen wollte, stimmte Zachos zu, das die Zeit von Oliphant bis zu seiner eigenen Zeit aufgefüllt wurde.

Aber wie am Vortag gegen Martynov so war es auch diesmal er, der in der nun auch für ihn entstehenden Zeitnot fehlgriff.

Während sich Martynov und der am zweiten Tag als Zuschauer anwesende, nun erholte Stephens fragten, ob Zachos einen Gewinnweg finden kann, fand dieser sogar eine Möglichkeit zu verlieren, und musste damit seine Ambitionen auf den  Turniersieg begraben.

Nachdem er Oliphant in der zweiten Partie besiegen konnte, war er zudem sogar auf Platz drei zurückgefallen, denn Thomas Wien ließ seinem Gegner in beiden Partien diesmal keine Chance.

Vor der Schlussrunde hatte Martynov damit drei Punkte Vorsprung auf Wien und vier auf Zachos. Gegen Oliphant reichten also zwei Remis oder ein Sieg zum Turniersieg.

Zachos gewann in der Schlussrunde beide Partien, obwohl er in einer lange auf Remis stand und sicherte sich einen Treppchenplatz. Auch Rymar besiegte Matschat zweimal, und dieser kam nicht umhin festzustellen, das in den drei Jahren seit seinem letzten Turnier der Abstand zur deutschen Spitze größer geworden ist.

Rymar indes kam dadurch dazu, den bisherigen Spitzenreiter in der Wertung der Jugendlichen, Maximilian Frese einzuholen.

In diesem knappen Rennen entschied schließlich die Feinwertung zugunsten von Frese, aber beide haben trotz ihrer Unkenntnis der Eröffnungs- und Endspieltheorie ihr großes Talent bewiesen, und in absehbarer Zeit wird auch der Turniersieg nur über sie gehen.

Thomas Wien gelang es in der ersten Partie, seinen Gegner Coll aus Schottland überzeugend zu überspielen, womit er sich ebenfalls einen Treppchenplatz sicherte.

Aber die theoretische Chance, Martynov noch mit zwei Siegen einzuholen verlor er gleichzeitig, denn dieser gewann die erste Partie gegen Oliphant sicher, und sicherte sich nach dem Sieg bei den Deutschen Meisterschaften in „3-move“ im März auch bei den traditionell mit freier Eröffnungswahl ausgetragenen German Open den Deutschen Meistertitel in dieser Spielart.

 

In der letzten Partie konnte Martynov schließlich seinen Siegeslauf nicht fortsetzen, und Oliphant sicherte sich mit einem Sieg noch Platz vier in der Abschusstabelle, und da der Deutsche Meister für die Vergabe der Pokale der German Open aus der Wertung fällt, um Doppelpreise zu vermeiden, sicherte er sich die Trophäe für den dritten Platz bei den German Open, allerdings nur mit Feinwertungsvorsprung vor den punktgleichen Frese und Rymar.

 

Damit ergab sich folgender

Endstand:

1. Igor Martynov (Düsseldorf)          22 Punkte       Deutscher Meister 2008 (GAYP)

2 Ingo Zachos (Dortmund)                20 Punkte       Sieger „German Opern 2008“

3. Thomas –Wien (Wesel)                  19 Punkte       Zweiter „German Open 2008“

4. Donald Oliphant (Schottland)       17 Punkte       Dritter „German Open 2008“

5.Maximilian Frese (Korbach)           17 Punkte       Deutscher Jugendmeister 2007 (GAYP)

6.Eygeniy Rymar (Korbach)              17 Punkte

7. Bernard Coll (Schottland)             16 Punkte

8. Benjamin Krane (Korbach)            13 Punkte

9. Olaf Matschat (Hamburg)             13 Punkte

10. Danuta Zioltkowski (Korbach)    10 Punkte       Deutsche Meisterin 2008 (GAYP)

11. Armin Krane (Korbach)               4 Punkte

 

Bemerkenswert ist, dass Igor Martynov nun Doppelmeister ist, denn er hält sowohl den Deutschen Titel für „3-move“ als auch für „GAYP“

Ebenfalls Doppelmeisterin, aber auf andere Art, ist Danuta Zioltkowski. Sie hält sowohl den Titel Deutsche Meisterin 2008 in Dame 100 als auch den Titel Deutsche Meisterin 2008 (GAYP) in Checkers.

Maximilian Frese verpasst beide Jugendtitel in Checkers nur deshalb, weil er bei der „3-move“ DM sogar den Pokal für Platz zwei insgesamt erhalten hat.

Auch bemerkenswert, das bisher noch nie ein Deutscher die German Open gewinnen konnte, diesmal aber gleich die ersten zwei Pokale an Deutsche gingen, und der Gesamtsieg erstmals an den Deutschen Meister ging.

Man beachte ferner, dass die ersten beiden Plätze an die Nominierten für die WMSG in Peking gingen, und das offenbar noch weiter Spieler das Potential bzw. die Spielstärke (Thomas Wien) haben, um uns ordentlich auch international zu vertreten.

Analog den Regelungen der IGDD für andere Damearten hat der Deutsche Meister das Vorrecht einen der zwei Startplätze beim nächsten WM-Qualifikationsturnier des Verbandes WCDF in 2009 zu erhalten, ebenso die Deutsche Meisterin für das WM-Qualifikationsturnier der Frauen 2009 und der Deutsche Jugendmeister für das nächste WM-Turnier der Junioren in 2009, falls bis dahin keine weitere Deutsche Meisterschaft mehr stattfindet.

Allerdings ist bisher der Vergabeprozess für diese Turnier im Jahre 2009 bei der WCDF noch nicht abgeschlossen, so dass weder Ort noch genaues Datum dafür bekannt sind.

Abschließend möchte ich dem Verein für das Damespiel in Korbach danken für die gute Organisation, und ihre Bereitschaft, die German Open 2008 auszutragen.

Besonders die Tatsache, das der Verein einige vielversprechende Jugendtalente hat, fand bei den ausländischen Gästen viel Beachtung und weckte die Befürchtung, das die Deutschen in ein paar Jahren die Open in Wales, Schottland, England oder gar Irland gewinnen könnten.

Danny Oliphant sagte sogar, das die ersten drei dieser DM mit Sicherheit auch bei den British Open, die Anfang September stattfinden, gute Chancen für vordere Preise hätten.

Bei diesen Aussichten, so scherzte Bernard Coll, würde es sich nicht mehr lohnen zu den German Open zu kommen.

Für das Jahr 2009 wünsche ich mir, dass es uns gelingt, wieder die ersten Plätze zu erringen,

und dass wir die Teilnehmerzahl kräftig steigern können.

 

Dortmund, den 26. August 2008

 

Ingo Zachos